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Zahnersatz wird mathematisch berechnet

Aus Neu-Ulm kommt eine Methode, die die Position der Zähne für die Herstellung von Prothesen berechnet. Das Dentallabor Kändler bietet sie in Mecklenburg-Vorpommern erstmals an.
Wismar (OZ) Werden am Oberkiefer drei Punkte festgesetzt, hinter den beiden Zahnreihen und vorn an der Papille (hinter den Schneidezähnen) und werden diese Punkte verbunden, so entsteht ein gleichschenkliges Dreieck. Die Zähne stehen zu diesem Dreieck in einem bestimmten Verhältnis, das berechnet werden kann. Diese Annahme ist die Grundlage einer Methode, die der Neu-Ulmer Zahntechnikermeister Karl Heinz Staub entwickelt hat und die es Zahnarzt und Techniker erlaubt, genau zu bestimmen, wo die Zähne stehen müssten.

Das Resultat: Die Prothese kann dem skelettalen Aufbau des Kopfes besser angepasst werden. Den Patienten „drückt“ der neue Zahn nicht, Nachbesserungen werden seltener, und die Behandlung verläuft reibungsloser.

„Bisher“, erklärt Karl Heinz Staub, „konnte der ursprüngliche Zahnbestand nur annäherungsweise rekonstruiert werden.“ Die Folge: Ist der Abdruck gemacht, kann der Techniker nur ungefähr ermessen, an welcher Stelle der neue Zahn zu sitzen hat. „Teilweise wird auf einer Strecke von 2 cm ein Spielraum von 6,5 mm angesetzt, also 30 % Abweichung. Das ist sehr viel, schließlich soll die Prothese genau passen.“ Oft sind daher Nachbesserungen nötig.

„Die Schulmedizin meint, die Anordnung der Zähne sei nicht berechenbar und daher von der Prothese auch nicht 1:1 abbildbar.“ Dass eben diese Annahme nicht stimmt, behauptet Karl Heinz Staub. Und: „Die ,Ausmessung' der Mundhöhle ist essenziell. Denn der Oberkiefer ist Teil des Skeletts, also des Kopfes. Dieser wird durch eine ungenaue Prothese aus dem Gleichgewicht gebracht. Das kann zu Kopf- oder Nackenschmerzen führen.“

Auch wenn einige Professoren an den Universitäten noch skeptisch sind: 50 der bundesweit 8000 Dentallabore bieten die neue Technik an, die seit 1999 von Karl Heinz Staub vertrieben wird. Ab sofort auch das Wismarer Labor Kändler. Inhaber Ulrich Kändler ließ seine Mitarbeiter am Wochenende in die neue Technik einführen. „Im Vorfeld haben wir Herrn Staub zwei Abdrücke geschickt und ihn dazu Gebisse fertigen lassen“, erläutert Ulrich Kändler. „Wir haben die Patienten seine und unsere vergleichen lassen. Seine haben sie ,anprobiert' und gesagt: ,Das sind meine Zähne.'“ Und auch die drei Zahnärzte, denen das Labor die Arbeiten präsentierte, zeigten sich nach Aussage von Ulrich Kändler überzeugt.

Ob sich die „Zähne nach Berechnung“ in Wismar durchsetzen werden, hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der Zahnärzte ab, sich in die neue Methode einweisen zu lassen – und sie dem Patienten anzubieten: Immerhin wird die Prothese durch den höheren labortechnischen Aufwand 150 Mark teurer. Der Aufpreis wird von den Kassen nicht getragen. „Aber die Qualität ist höher“, so Karl Heinz Staub und Ulrich Kändler.

ADRIAN FOITZIK